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Geschichte von Bad Rothenfelde

Bis weit in dieses Jahrhundert hinein wurde die Ortsgeschichte im Wesentlichen durch die Entwicklung des Salzwerks und des Bades Rothenfelde geprägt. Nicht die Gemeinde als kommunale Einheit war der bestimmende Faktor, sondern es dominierten die Vorgänger der heutigen Kurverwaltung, deren Trägerschaft im Laufe der Zeit mehrmals gewechselt hatte. Wirtschaftlich, aber auch administrativ war die Bürgerschaft von diesem einen Betrieb abhängig. Selbst die Entwicklung der Gemeindegröße spiegelt die Entwicklung des Salinen- und Solbadbetriebes wider. Wie eine Quelle immer größere Kreise zieht, dehnte sich aus kleinsten Anfängen auch das Territorium der politischen Gemeinde auf die heutige Umgrenzung aus. Nach und nach saugte der Kern sein Umfeld auf. Aus der damaligen Erpener Mark (»Arpingi« wurde schon 851 urkundlich erwähnt) hervorgegangen, blieb Rothenfelde bis zum Jahre 1929 ein relativ kleines unförmiges Gebilde. Die Umgemeindungen mit Aschendorf (»Oskendorp« wurde erstmals 1088 urkundlich festgehalten), Erpen und Strang führte dann immerhin zu einer Flächengröße von 2,46 qkm. Im Kreis (bis 1932 Iburg, danach Osna-brück) war Rothenfelde immer noch eine Zwerggemeinde, die jedoch die größte Siedlungsdichte aufwies.

Im geschichtsträchtigen Jahr 1969 wurden die Weichen für das territoriale Bad Rothenfelde von heute gestellt. Anfang 1970 trat dann der freiwillige Zusammenschluss mit den Gemeinden Aschendorf und Strang in Kraft. Die Feinkorrektur dieser Gebietsreform ließ bis zum 1. April 1974 auf sich warten, als ein Flächenaustausch mit der Stadt Dissen wirksam wurde. Für einen Teil der Gemarkung Strang kam das nach Bad Rothenfelde ausgerichtete Erpener Teilgebiet zu Bad Rothenfelde. Die Gemeindegröße wuchs auf das Siebenfache, auf genau 18,19 qkm. Teils aufgrund der kommunalen Neugliederung, teils aber auch als Folge der mit der wirtschaftlichen Entwicklung einhergehenden Siedlungstätigkeit ist eine beachtliche Steigerung der Einwohnerzahl zu verzeichnen. 1895 wurden in Rothenfelde nur 718 Einwohner gezählt, 1970 wohnten 3.533 Einwohner in Alt-Rothenfelde, im um Aschendorf und Strang vergrößerten Gemeindegebiet 5.056 Einwohner. Durch den Gebietsaustausch von 1974 erhöhte sich die Einwohnerzahl nochmals um etwa 470 auf 5673.

Zwischenzeitlich beträgt die Einwohnerzahl Bad Rothenfeldes 7.272 (Stand 30.06.2006). Diese Größenordnung ermöglicht eine leistungsfähige Infrastruktur. Da aber auch den vielfältigen Anforderungen der Kur- und Urlaubsgäste entsprochen werden muss, weist Bad Rothenfelde in Quantität und Qualität Einrichtungen auf, die auch einem Gemeinwesen von über 10 000 Einwohnern alle Ehre machen würden.

Der Kur- und Urlaubsort im Osnabrücker Land besteht seit etwas mehr als einem viertel Jahrtausend. Die „gesalzene" Geschichte nahm ihren Anfang, als anno domini 1724 die erste wirklich ergiebige Solequelle entdeckt wurde. Salz war ein Schlüssel zu Reichtum in damaliger Zeit. Und der seinerzeit regierende Fürstbischof Ernst-August II. war wohl ein Mann mit Weitsicht und Geschäftssinn. Immerhin musste das Fürstbistum Osnabrück das weiße Gold aus der Grafschaft Bentheim importieren. Wie viel besser war es, sich selbst am Handel mit Salz gewinnbringend zu beteiligen. Schon lange war es im Umkreis bekannt, dass es in der Gegend einen Salzbach gab (und immer noch gibt). So sollte den Dingen buchstäblich auf den Grund gegangen werden. Der Fürstbischof vergab den Auftrag an den Fachmann Johann Christian Märcker, nach den für die Salzgewinnung tauglichen Solequellen zu suchen. Wie bei so vielen Expeditionen ließ der Erfolg zunächst auf sich warten. Bald versiegten die Bohrlöcher und Enttäuschung machte sich breit. Bis zu dem Tag, als im heutigen Konzertgarten eine Quelle entdeckt wurde, die allen Erwartungen entsprach - wenn nicht sogar übertraf. Von diesem Zeitpunkt an wurde eifrig gefördert und gesiedet. Dort, wo einst der Wald zur Gewinnung von neuen Feldern gerodet worden war, entstand schon bald ein Dörfchen. Darin verbirgt sich der Ortsname Rothenfelde - gerodetes Feld. Neben den wenigen Bauern fanden hier viele, die mit der Salzgewinnung ihren Lebensunterhalt verdienten, ein neues Zuhause. Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Saline Rothenfelde immer größer. Gradierwerke und ein neues Siedehaus wurden in Betrieb genommen. Die Zeit ging ins Land. Unter der Herrschaft Napoleons gab es hier ein Lazarett. So geschah es, dass ein französischer Militärarzt schon 1811 die Heilwirkung der Sole zur Behandlung verletzter Soldaten prüfte. Diese Jahreszahl ist in der Historie - obwohl wenig beachtet - nicht in Vergessenheit geraten. Wirtschaftliche Auswirkungen hatte jedoch die Entdeckung von Dr. Lamby, der 1826 ein an Skrofulose erkranktes Kind durch Solebäder heilte. Es trafen zwei Interessen aufeinander. Die einen wollten aus Sole Salz sieden und damit den Wohlstand sichern, die anderen wollten Menschen in der kostbaren Sole baden lassen. Damit wurde sie jedoch für den Siedeprozess untauglich. Der Rest ist Geschichte. Die Außenwelt entdeckte Rot-henfelde als Badeort. Private Wohnhäuser verwandelten sich in Logierhäuser. An den Gradierwerken flanierten die Gäste, um die gute Luft einzuatmen. Um die letzte Jahrhundertwende im alten Jahrtausend hatte die Bäderkultur ihren ersten Höhepunkt erreicht. Bauwerke wie das Kurmittelhaus, die Konzertmuschel oder der Eingang zum Konzertgarten sind Zeugen dieser Periode. Doch auch die Salzsiedung hatte noch nicht an Bedeutung verloren. Ein großes Siedehaus mit 7 Pfannen (je 8 x 12 m und 40 cm Tiefe) stand auf dem Areal der jetzigen „Klinik im Kurpark". Zwei mächtige Schornsteine, im Volksmund liebevoll „Max & Moritz" genannt, beherrschten das Ortsbild ebenso wie der Qualm, den sie während der Siedezeit ausgestoßen haben. Mit steigender Gästezahl wurde das Salzsieden zur Winterarbeit degradiert. Im Jahr 1969 gab es das definitive „Aus" für die unrentable Saline Bad Rothenfelde. 1972 wurden zu guter Letzt „Max & Moritz" aus dem Ortsbild entfernt. Das Kurwesen hingegen erfuhr immer neue Impulse zum Aufschwung. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen bis weit in die 60-er Jahre machte sich Bad Rothenfelde einen Namen als Kinderbadeort. Nahezu 50 Erholungsheime waren teilweise privat geführt oder von Städten getragen. Eine neue Veränderung der Gästestruktur kam auf den Kurort zu, als Rentenversicherungsträger die Badekuren finanzierten. Wiederum wurde das Kurwesen belebt. Doch mit den verschiedenen Stufen der Gesundheitsreformen mussten sich sowohl die Gastgeber als auch die Therapiebetriebe und Kliniken auf die Einschnitte einstellen. Es gäbe noch viele Details zur Geschichte zu berichten. Aber dieser kurze Überblick erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er soll nur informieren und vielleicht Ihre Neugier auf mehr anregen. Sie entdecken an vielen Stellen im Ort z. B. Tafeln mit dem Titel „Historischer Ortsführer", zu denen es auch ein Begleitheft gibt. Riskieren Sie einmal einen Blick in das Heimatmuseum. Dort wird noch Salz in einer Miniatur-Siedepfanne hergestellt und erklärt, was es mit den Gradierwerken und den Siedehäusern genau auf sich hatte. Bücher wie „Vom Salzwerk zum Heilbad" enthalten Schriften und Beiträge von und über bekannte Bürger dieses Ortes. Ausführliche Beschreibungen über die Entwicklung und die Geschäfte der Solbad und Salinen AG, der wechselvollen Geschichte der Gemeinde mit ihren Institutionen und viele Anekdoten stillen Ihren Wissensdurst. Sie können das Werk in der Gemeindebücherei ausleihen. Es gibt eine Kurzfassung zum Thema Salz und Gradierwerke, die unter dem Titel „Vom weißen Gold und schwarzen Dornen" in der Touristinformation und im Demonstrationsgang im Neuen Gradierwerk angeboten wird. Nach wie vor leben Sie in einem Ort, wo Gesundheit und Wohlbefinden groß geschrieben wird. Viele weit über die Landesgrenzen hinaus anerkannte Fachkliniken heilen, lindern und behandeln die unterschiedlichsten Krankheitsbilder. Nur wenige Badeorte unserer Größe können sich rühmen, soviel medizinisches Know-how ihren Gästen und Bürgern bieten zu können. Hoteliers haben die Zeichen der Zeit erkannt und bieten ihren Urlaubern Wellness-Inseln innerhalb des Hauses an. Sie genießen als Bürger eine Infrastruktur frei von Industrie und voller Annehmlichkeiten, die Ihren Alltag etwas bunter gestalten als irgendwo anders. Ein vielfältiges Shoppingangebot, eine reichhaltige Gastronomie, ein fröhliches Unterhaltungsprogramm und weitläufige Parkanlagen mit den einzigartigen Gradierwerken laden zum Bummeln und zum Zeitvertreib ein. Machen Sie Gebrauch davon!

1724 (22.9) Entdeckung der »Alten Quelle« durch Johann Christian Märcker im Auftrage des Fürstbischofs Ernst August II. von Osnabrück

1725-26 Bau des ersten Siedehauses und Beginn der Salzsiedung

1773-74 Bau des »Alten Gradierwerks« unter der Leitung von Salzinspektor Lüttich

1811 Erster nachweislicher Heilerfolg durch Solbäder in Rothenfelde, das seinerzeit unter französischer Herrschaft stand

1818-24 Errichtung des »Neuen Gradierwerks« unter Leitung von Salinendirektor Schloenbach

1852-53 Gründung einer Badehaus AG durch die Bürgerschaft und Eröffnung eines Badehauses mit 15 Wannen

1860 Erstmals Kurkonzerte durch 9 böhmische Musikanten

1872 Gründung der »Rothenfelder Solbad & Salinen AG« mit Übernahme der Saline aus preußischem Besitz; Anlegung eines Kurgartens

1894 Erbohrung der »Neuen Quelle«

1905 Zum Gemeindenamen wird die Bezeichnung »Bad« verliehen

1909 Eröffnung des Bade- und Kurmittelhauses

1918 Bau des Knappschaftssanatoriums »Weidtmanshof«

1926 Erbohrung des »Weidtmansprudels«

1930-31 Erbohrung des »Wittekindsprudels«

1933 Eröffnung des Sole-Freibades

1934-35 Wiederaufbau und Erweiterung des Kurhauses

1950 Wiederbeginn des Kurbetriebes nach britischer Besatzung

1958 Eröffnung der »Teutoburger-Wald-Klinik« (LVA Hannover)

1960 Gründung der »Augenklinik Dr. Georg«

1965 Bad Rothenfelde wird als Heilbad staatlich anerkannt

1966 Schließung des Waldkrankenhauses Strang

1969 (1.7.) Einstellung der Salzsiedung. Kommunalisierung des Bades: Gründung der »Kurverwaltung GmbH« (Gemeinde und Landkreis) mit Übernahme aller Kureinrichtungen von der AG

1970 Eingliederung der Gemeinden Aschendorf und Strang

1971-73 Erweiterung des Kurhauses und der Kuranlagen (Brunnenplatz und Kurpark am Neuen Gradierwerk), das Haus des Kurgastes entsteht

1972 Abriss der Schornsteine im Salinenhof hinter dem Kurmittelhaus

1973 Inbetriebnahme der »Schüchtermann-Klinik«

1974 Gebietsaustausch mit der Stadt Dissen betreffend Teile der Gemarkungen Erpen und Strang. Eröffnung des Hallen-Sole-Wellenbades und Verkehrsfreigabe für die Südumgehung (L 94)

1975 Eröffnung des Automuseums, der Ladenzeile (an der Stelle der abgebrochenen Wandelhalle aus dem Jahre 1904), der Appartementanlage »Deutsch Krone« und des Vogelparks

1975-76 Nochmalige Erweiterung des Kurhauses nach Großbrand

1976 Umbau und Modernisierung des Bade- und Kurmittelhauses, Bau der Kursporthalle

1979 Zusammenführung der umgestalteten Kuranlagen nach Aufhebung der Straße am Badehaus

1980 Errichtung Aussichtsturm »Lüdenstein« im Naturpark Teutoburger Wald

1983 Die Gemeinde wird alleinige Trägerin der Kurverwaltung GmbH. Wiedereröffnung des Sole- Freibades n. Erneuerung

1984 Aus dem »Kurhotel Nollmann« geht nach Erweiterung die »Parkklinik« hervor, 1994 Anbau einer zweiten Klinik

1985 Eröffnung der »Residenz am Kurpark« nach Umbau des früheren Kurhaus-Hotels

1986 Die Gemeinde übernimmt als Stiftung das »Dr.-Bauer-Heimatmuseum«

1988 Partnerschaft mit der niederländischen Gemeinde Avereest. Eröffnung der »Johann-Wilhelm-Ritter-Klinik« (Hautklinik) nach Umbau eines der letzten Kinderheime

1989 17. Juli Teileinsturz des Alten Gradierwerks, anschließend Totalabriss und Wiederaufbau für rd. 1,73 Mio Euro

1993 Eröffnung eines herzchirurgischen Zentrums an der »Schüchtermann-Klinik«

1995 Eröffnung der »Klinik Münsterland« (LVA Westfalen)

1995 Eröffnung der Dialysestation im Kurmittelhaus

1996 Eröffnung der »Klinik im Kurpark«

1996 Erweiterung der »Johann-Wilhelm-Ritter-Klinik«

(Hautklinik)

1996 Erweiterung des herzchirurgischen Zentrums der »Schüchtermann-Klinik«

1996 16. Mai Einweihung des wieder neu errichteten Alten Gradierwerks

1997 Abbruch des »Alten Konzertsaales«

1997 Nutzungsänderung der »Klinik am Birkenkamp« in Seniorenwohnungen (Betreutes Wohnen)

1997 Privatisierung des Kurhauses

1997 Privatisierung der Kursporthalle

1997 Bau des Troges für die A 33

1998 Gründung der Kur und Touristik GmbH

1999 Einweihung des Rosengartens am Neuen Gradierwerk

2001 Renovierung und Umbau Haus des Gastes, Verlegung der Tourist-Info von der Salinenstraße in das Haus des Gastes

2001 Einweihung des Demonstrations- und Inhalationsganges im Neuen Gradierwerk

2002 Beginn der Generalsanierung des Neuen Gradierwerks in 3 Bauabschnitten

2002-03 Renovierung und Erw. der Grundschule für 2,2 Mio. Euro

2004 Abschluss der Generalsanierung des Neuen Gradierwerkes

2005 Eröffnung der Salzgrotte im Kurmittelhaus

2005 Bau eines Kunstrasenplatzes im Salinensportpark

2005 100-jähriges „Bad" Jubiläum

2005-06 Um- und Rückbau der Salinenstraße mit Bau des heristo-Kreisels an der Bahnhofstr./Salinenstr./Hannoversche Str.

2006 Errichtung des Kunstwerkes „Les fondations du ciel" (Die Fundamente des Himmels) des französischen Künstlers Louis Chacallis im Innenraum des Kreisverkehrsplatzes Bahnhofstraße/Salinenstraße/Hannoversche Straße dank einer großzügigen Spende der Firma heristo ag (Foto: Kopfzeile)

2006 Eröffnung der Aschendorfer Mehrzweckhalle

2006 Kauf der durch Brand zerstörten Bismarckhütte durch die Gemeinde mit dem Ziel der Standortsicherung als Ausflugsziel

2007 Baubeginn der Windkunst auf dem Neuen Gradierwerk

 



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